Kultur

Carl Spitteler soll wiederentdeckt werden – schweizweit und mehrsprachig.

(Mitg.) Als bisher einziger gebürtiger Schweizer hat der in Liestal geborene und in Luzern verstorbene Carl Spitteler (1845-1924) den Literaturnobelpreis erhalten, und zwar 1920, rückwirkend auf das Jahr 1919. Um dies gebührend zu feiern, lanciert der Verein «Carl Spitteler – 100 Jahre Literaturnobelpreis 1919-2019» dieses Jahr eine nationale Kampagne zur Wiederentdeckung des vielseitigen Schriftstellers und Journalisten.

«Das Jubiläum bietet die Möglichkeit, Carl Spitteler und sein Werk schweizweit in Erinnerung zu rufen», sagt Christoph Haering, Regisseur und Vorstandsmitglied des Vereins. Es steht unter dem Patronat von Bundesrat Alain Berset, Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern. Im Patronatskomitee sind zudem weitere namhafte Persönlichkeiten vertreten, wie Monica Gschwind, Regierungspräsidentin des Kantons Basel-Landschaft oder Mario Annoni, ehemaliger Regierungsrat des Kantons Bern.

4. April: Festakt in Liestal
Das Jubiläum wird in der ganzen Schweiz mit zahlreichen Veranstaltungen, Aktivitäten und Publikationen gefeiert. Am 4. April werden die Feierlichkeiten offiziell eröffnet mit einem Festakt in der Stadtkirche Liestal: Bundesrat Berset, Regierungsvertreter und Literaturwissenschaftler würdigen den Nobelpreisträger und feiern in der Rathausgasse zusammen mit der Bevölkerung.

Weitere Festakte in La Neuveville, Luzern und Zürich
Am 12. April wird Spitteler in La Neuveville gefeiert, wo er 1881-1885 als Lehrer tätig war: Eine neue Ausstellung im Musée d’Art et d’Histoire betont die Relevanz dieses Aufenthalts für seine Entdeckung der Westschweizer Kultur. Das ganze Jahr hindurch werden weitere Anlässe und Feierlichkeiten Spitteler in der ganzen Schweiz würdigen – insbesondere am 14. September in Luzern und am 14. Dezember in Zürich, wo er im Jahr 1914 seine Rede «Unser Schweizer Standpunkt» gehalten hat.

Aktuelle Beiträge
Spittelers facettenreiche Texte, aber auch seine ungewöhnliche Lebensgeschichte sind heute grösstenteils in Vergessenheit geraten. Das will der Verein ändern: «Die Lektüre seiner Texte lohnt sich sehr, denn der Nobelpreisträger hat ein herausragendes Werk geschaffen: Er hat darin u.a. auf die Bedeutung von Minoritätenschutz, Rechtsstaatlichkeit und sprachlicher Verständigung hingewiesen und die Frage nach den Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben und für die Kohärenz der Schweizer Landesteile gestellt, die gerade heute wieder hochaktuell ist», so die Literaturwissenschaftlerin Stefanie Leuenberger, Projektverantwortliche des Vereins «Carl Spitteler – 100 Jahre Literaturnobelpreis 1919-2019».

Neue Publikationen
Wer neugierig ist auf Spittelers Texte, dem bietet sich eine ganze Reihe neuer Publikationen: Bei Nagel & Kimche erscheint das Lesebuch «Dichter, Denker, Redner» mit einem Vorwort von Peter von Matt. Der Rotpunkt-Verlag veröffentlicht unter dem Titel «Neue Schweizer Standpunkte. Im Dialog mit Carl Spitteler» einen Band mit Beiträgen von heutigen Schweizer Autorinnen und Autoren, der im Sinne von Spittelers Aufruf zur Verständigung zwischen den Landesteilen auch in einer französischen Ausgabe bei Editions Zoé und auf Italienisch bei Edizioni Casagrande erscheint.

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