Lesetour startet Dialog mit Carl Spitteler in allen Sprachregionen.

(Mitg.) In der neuen Casa della Letteratura per la Svizzera italiana beginnt am Donnerstagabend 29. August eine schweizweite Lesetour im Dialog mit dem Nobelpreisträger Carl Spitteler. Bekannte LiteratInnen und ÜbersetzerInnen reflektieren Spittelers Rede «Unser Schweizer Standpunkt» und diskutieren mit dem Publikum an insgesamt zehn Lesungen in Basel, Brig, Burgdorf, Chur, Lausanne, Lugano, Luzern, Sitten, Zug und Zürich.

«Ohne Zweifel wäre es nun für uns Neutrale das einzig Richtige, nach allen Seiten hin die nämliche Distanz zu halten», schreibt Carl Spitteler 1914 in seiner Rede «Unser Schweizer Standpunkt». Doch was heisst das schon: die nämliche Distanz? Soll man sich also nicht einmischen? Oder bietet gerade die Neutralität eine Chance, sich zu engagieren? Spitteler verfasste seine Rede kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs, inmitten des «Klangs der Kriegstrompete» und «militärischer Kommandorufe». Solche Klänge sind auch heute noch zu vernehmen – hundert Jahre, nachdem der Dichter als erster gebürtiger Schweizer mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden ist; wenn auch ungleich diffuser und komplexer.

Die Gesprächsteilnehmerinnen und -Teilnehmer – darunter bekannte Autorinnen und Autoren aus dem dreisprachigen Buch «Neue Schweizer Standpunkte» wie Monique Schwitter, Catherine Lovey und Fabio Pusterla – nähern sich dem Literaturnobelpreisträger Carl Spitteler und seinen Themen aus heutiger Sicht an: Wie steht es heute um den Wert der Neutralität und um das Verhältnis der Schweiz zu ihren europäischen Nachbarn? Was bedeuten Engagement oder Enthaltung in Zeiten humanitärer Katastrophen und weltweiter Migration? Haben Nationen noch Sinn? Und wie steht es derweil um den Zusammenhalt im eigenen Land?

Die Lesetour wird finanziell getragen von der Ernst Göhner Stiftung, der Tharice Foundation sowie dem Verein «Carl Spitteler – 100 Jahre Literaturnobelpreis 1919-2019» und den lokalen VeranstalterInnen. Am gleichen Tag wie die die Lesetour beginnt zudem auch die Fortsetzungs-Lesung «Olympischer Frühling» mit Walter Sigi Arnold am Carl Spitteler-Quai in Luzern.